Im Licht des Pazifiks – Martin Walsers Roman „Brandung“

Martin Walsers Roman „Brandung“ spielt am Pazifik.  Wegen des einzigartigen Sprachglanzes ist es ein faszinierendes Buch, ein lichttrunkener Roman. Walser befindet sich auf der Höhe seiner Kunst. Gewässer haben ihn immer wieder zu Höhenflügen inspiriert, insbesondere der Bodensee („Ein fliehendes Pferd“ oder „Ein springender Brunnen“) , aber auch der Starnberger See („Ohne Einander“). In diesem Roman also der Pazifik.

1983 erhält Martin Walser die Möglichkeit, vier Monate als Gastdozent an einer kalifornischen Universität zu verbringen. Zwei Jahre später erscheint sein Roman „Brandung“, in dem er seine Kalifornienerfahrungen verarbeitet. Der Titel, so einfach er ist, ist suggestiv: Im Wort „Brandung“ steckt das Wort „Brand“, Feuer und Wasser gehen im Titel also eine Verbindung ein, er kündigt das Wasser  eines Meeres und das Feuer der Leidenschaft an.  Die Geschichte ist einfach: Helmut Halm, Studienrat an einem Stuttgarter Gymnasium und Hauptfigur in der Novelle „Ein fliehendes Pferd“, erhält am Anfang der Sommerferien einen Anruf eines Studienkollegen aus den USA. Der lädt ihn für einige Monate an seine kalifornische Universität ein. Da Halm  ohnehin genug von Deutschland und seinem Vorgesetzten hat, sagt er schnell zu. Im Seminar fällt ihm eine junge Studentin auf, die sich nie äußert. „Die lächerlichste Figur der Welt: ein Lehrer, der sich in seine Schülerin verliebt.“ Helmut Halm wird als Narziss eingeführt: Zu Beginn des Romans steht er vor dem Badezimmerspiegel, später entdeckt er, dass die reizvolle Studentin seine Augen hat.

Exzessiv beschreibt er die Wellen des Pazifiks, als wolle er mit seinem Freund Uwe Johnson in Konkurrenz treten. Dessen Hauptwerk „Jahrestage“ beginnt nämlich mit der minutiösen Beschreibung einer Welle des Atlantiks. Die Welt beginnt zu gleißen. Alles gerät Walser zu funkelnden Sätzen.

Friedrich Sieburg, der mächtigsten Kritiker seiner Zeit, stellte Anfang der 60er Jahre fest: „Dieser Walser ist ein Genie der deutschen Sprache, wenn auch einstweilen nichts dabei herauskommt.“ Heute ist nur dem ersten Teil dieses  Satzes zuzustimmen. Es ist viel herausgekommen:  Walser hat ein gewaltiges, beeindruckendes Werk hinterlassen.

Am 26. Juli diesen Jahres verstarb er in Nußdorf am Bodensee im Alter von 96 Jahren.

Martin Walser: Brandung. Suhrkamp Verlag,1985

Schreibe einen Kommentar