Lesen als Leidenschaft: Jeffrey Eugenides´ „Liebeshandlung“

Madeleine Hanna ist eine leidenschaftliche Leserin. Am Anfang des Romans „Die Liebeshandlung“ wird ihr Zimmer geschildert. Es ist voller Bücher. Warum sie liest? „Sie wünschte sich, dass ein Buch sie dorthin mitnahm, wohin sie selber nicht gelangen konnte“, heißt es. Bücher erweitern ihre Welt. Madeleine studiert nicht nur Literatur, sie lebt sie auch. Darauf weist ja schon ihr Name hin, der literaturträchtig ist (die Madeleine spielt eine wichtige Rolle in Prousts „Recherche“). Der Titel deutet es an: Alles dreht sich in diesem Roman von Jeffrey Eugenides um die Liebe. Madeleine sitzt an einer wissenschaftlichen Arbeit über den „marriage plot“ in englischen Romanen des 19. Jahrhunderts, als die Liebe in ihr Leben einbricht. Der Roman spielt an der amerikanischen Ostküste, in einer kleinen Universitätsstadt, wo die Brown University zu Hause ist. Hier studierte übrigens auch Eugenides: Englisch und Creative Writing. Er hat mit seiner Heldin noch etwas gemein: das Geburtsjahr 1960.

Eugenides hat viel Literaturtheorie in seinen Liebesroman hineingepackt. So liest Madeleine in Roland Barthes´ „Fragmente einer Sprache der Liebe“. Barthes war ein Vertreter des sogenannten Poststrukturalismus (er umfasst verschiedene Strömungen der Philosophie und Philologie ab dem Ende der 60er Jahre). Trotzdem liest der Roman sich gut. Die Sprache ist nicht überladen, sondern schlank und elegant.

Eine Frau zwischen zwei Männern: Madeleine zwischen Mitchell und Leonard, darum dreht es sich im Kern. Mitchell ist unsterblich in Madeleine verliebt. Am liebsten würde er sie heiraten. Sie hat aber einen anderen jungen Mann im Blick: Leonard, den vitalen Biologen, ihn heiratet Madeleine schließlich.. Er ist spontan, charismatisch und extrovertiert – und leidet unter Depressionen. Madeleine kümmert sich hingebungsvoll um ihn. Leonard beneidet Madeleine um ihre behütete Kindheit, denn er hatte keine.

Wie der Autor ist auch Mitchell ein Amerikaner griechischer Herkunft. Er heißt mit Nachnamen Grammaticus und ist ein angehender Theologe. Weltweit bekannt wurde Eugenides durch seinen Roman „Middlesex“, für den er den Pulitzerpreis erhielt. Ganz so erfolgreich ist „Die Liebeshandlung“ nicht, aber es ist ein spannendes, anregendes Buch.. Seit der „Liebeshandlung“ ist von Eugenides kein Roman mehr erschienen.

Jeffrey Eugenides: Die Liebeshandlung. Rowohlt Taschenbuch Verlag, 2012.

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