In einem Pariser Krankenhaus bricht ein Mann zusammen und bleibt zuckend am Boden liegen, die 30jährige Hélène eilt ihm zur Hilfe, ihr fallen seine Augen auf, die voller Traurigkeit sind. Es ist der Anfang eines Roman, so dicht wie die Stadt Paris selbst, in der er spielt: „Diese Stadt ist zu groß und zu alt für einen Menschen.“
Am Anfang unterhalten sich Hélène und der Amerikaner über Gedichte. In der Folge begegnen die Pariserin und der Amerikaner einander immer wieder. Der Mann, so stellt sich heraus, ist nicht nur Lyrikliebhaber, sondern auch Soldat, eine aparte Mischung. Der Amerikaner ist von der Teilnahme am Irakkrieg gezeichnet, der Kollaps im Hospital ist eine Folge davon. Auch Hélène ist deformiert: Sie sehnt sich nach einem Kind, kann aber keines bekommen, deshalb sucht sie das amerikanische Krankenhaus auf. Helene verabscheut Krieg und Gewalt. Der Soldat beginnt sie allerdings zu interessieren. Sie hilft ihm, in die Wirklichkeit zurückzukehren. Trotz der Nähe zu Gewalt und Krieg ist es kein grausames Buch, sondern ein Roman voller poetischer Momente und eindringlicher Szenen: Ibisse landen auf einem riesigen schwarzen See im Irak. Beim Aufkommen auf der Oberfläche spritzt kein Wasser auf, das vermeintliche Wasser ist reines Öl. Die Vögel verenden qualvoll. In diesem Bild wird die ganze Absurdität des Kriegs deutlich.
Michael Kleeberg ist ein feiner Erzähler. Klarheit und Schönheit der Sprache zeichnen seinen Roman aus, darüber hinaus interessante Figuren und lebendige Dialoge. Nur ein bedeutender Erzähler kann so ein dicht gewobenes Buch zustande bringen. Diesen Roman hat Kleeberg virtuos recherchiert: Er beschreibt den Irakkrieg, als wäre er dabei gewesen!
Seine Pariserfahrung hat Kleeberg in diesem Buch verarbeitet. 1986 zog er von Amsterdam nach Paris, wo er als Mitinhaber einer deutsch-französischen Werbeagentur tätig war. Das Schreiben hat er dabei nie aufgegeben.
Prägende Jugendjahre hat er allerdings in Böblingen verlebt, was Spuren im Werk hinterlassen hat. Wer in der Provinz aufgewachsen ist, hat ein anderes Auge auf die Weltstadt. Ihm erscheint sie zu groß für einen Menschen. „Das amerikanische Hospital“ ist eines von Kleebergs intensivsten Büchern.

Michael Kleeberg: Das amerikanische Hospital Penguin Taschenbuch Verlag, 2016